Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Am Sonnabend mussten die Handball-Männer der HSG Eider Harde hart ackern, bis sie die Arme zum Jubeln in die Luft werfen durften. Der schwer erkämpfte 32:30 (15:15)-Heimsieg über den Tabellendreizehnten Sportfreunde Söhre lieferte die Punkte 20 und 21 auf das Konto der Mannschaft von Trainer Matthias Hinrichsen. Für den Coach bedeutet das: „Selbst, wenn ich pessimistisch denken würde, müssen wir uns um den Klassenerhalt keine Sorgen mehr machen. Jetzt können wir uns wieder anderen Zielen widmen.“ Elf Zähler Vorsprung auf die Abstiegszone der 3. Liga Nord-Ost bereiten dem Tabellenneunten gute Laune vor dem schweren Auswärtsspiel am nächsten Sonntag in Aue.
Was nicht heißen soll, dass die HSG neun Spiele vor Saisonende nur noch das ruhige Fahrwasser des Mittelfelds genießen möchte. Sondern was genau möchte die HSG?
„Wir wollen uns spielerisch weiterentwickeln, als Mannschaft und individuell“, erläutert Hinrichsen. Spielerisch war’s am Sonnabend vor rund 430 Zuschauern in der Hohner Werner-Kuhrt-Halle eher nichts fürs Handball-Feinschmecker. Glanz und Gloria hatten spielfrei. Eigentlich kein Wunder nach der überraschenden Pleite gegen Schlusslicht DHfK Leipzig am vergangenen Wochenende.
Vor allem im ersten Durchgang leisteten sich die Gastgeber enorm viele Fehler im Angriff und bekamen hinten keinen Zugriff auf die Söhrer Schützen. Die 6:0-Abwehr erwies sich löchriger als ein Nudelsieb.
Hinrichsen zog seinen Defensivtrumpf – in Person von Routinier Jannek Oettershagen und einer ballgewinn-orientierten Abwehr.
Oettershagen schränkte fortan auf der vorgezogenen Position die Wirkungskreise von Söhrens Ballermann Tom Hanel und seinen Nebenleuten stark ein. Nach Wiederanpfiff gab es wenig bis gar nichts mehr zu meckern an der Eider-Hintermannschaft. Keeper Jorge Schmidt, der in Hälfte eins seine Farben im Spiel hielt, bekam nun mehr Support von seinen Vorderleuten. Hinrichsen: „Abwehr plus Torwart waren in der zweiten Halbzeit richtig gut und letztlich die Sieggaranten.“ Und vorne?
Mit Ausnahme von Sören Hartwich stockte der Angriffsmotor immer noch. Eigentlich die gesamten 60 Minuten lang. Nur gut, dass sich die Sportfreunde als gute Gäste erwiesen und noch mehr Stockfehler produzierten, so dass die HSG auf sechs Tore (28:22) davonziehen konnte. Den Rest erledigte die Routine.
Was bleibt von diesem Spiel? Vielleicht weniger das Ergebnis – als dieser eine Moment vor dem Anpfiff. Der stille Gedanke an einen, der eigentlich immer da war. Generationen von Hohner Handballern sind mit Hein Steen aufgewachsen. Kaum einer, der ihn nicht kannte. Nicht als Spieler oder Trainer, sondern als Institution auf der Tribüne. Jahrzehntelang bei Eintracht Hohn, danach bei der HSG Hohn/Elsdorf, später bei der HSG Eider Harde – er begleitete die 1. Männer, die 2. Männer, die Frauen und die Jugend. Zuhause wie auswärts. Hein gehörte in den Hallen der Region dazu wie das Harz an den Ball. Streitbar, kritisch – aber immer mit einem Augenzwinkern. Immer meinungsstark, nie gleichgültig. Einer, der den Handball liebte – und die Menschen dahinter. Hein war keiner, der nur zuschaute. Er war einer, der mitging, mitdachte, mitfühlte. Jetzt bleibt sein Platz auf der Tribüne leer. Mach’s gut, Hein. Du fehlst.
Schmidt, Haack; T. Heckel (4), Kock (1), J. Oettershagen, Schneider (2), Mumm, Heinemann (6), Hartwich (8), Abelmann-Brockmann (2/1), Glumm (4), Frahm (2), Bies (2), Hamann, Wichmann, Rohwer (1)