Um es vorwegzunehmen: Bei dieser Niederlage lohnt es sich, genau hinzuschauen. Denn die 25:38 (14:14)-Klatsche der Handball-Männer der HSG Eider Harde in eigener Halle gegen den Meisterschaftsanwärter MTV Braunschweig täuscht deutlich über den Spielverlauf hinweg. Nach zwei Dritteln der Spielzeit stand es quasi pari. Nur 20:19 lagen die Gäste in der 40. Minute vorn.
Bis hierhin verlief bis auf die wiederholt schlechte Chancenverwertung (9 verballerte Hundertprozentige in Hälfte eins) alles nach Plan für die Mannschaft von Trainer Matthias Hinrichsen. Erst dann brach die Gegentor-Hölle über sie herein. Oder wie erklärt Hinrichsen die letzten 20 Minuten, die sein Team mit zwölf Toren verlor?
„Das darf uns wirklich nicht passieren. Das war nicht die Körpersprache, die wir zeigen wollen, und das werde ich auch kritisch intern ansprechen“, machte der Eider-Coach deutlich, was er vom Schlussdrittel hielt. Taktisch lässt sich der Einbruch simpel erklären.
„Der MTV ist meiner Meinung nach die flexibelste Mannschaft der Liga. Sie haben dann einfach Tim Otto auf die Spitze beordert, der geschickt die Passwege zugestellt und uns mit jedem weiteren Ballklau jegliches Selbstvertrauen aus jeder Faser gezogen hat. Mit der Abwehrumstellung hat uns der MTV komplett den Rhythmus gestohlen. Unsere Hände wurden immer zittriger“, analysierte Hinrichsen. Egal, wen er im Rückraum brachte, es half alles nichts. Die Gäste eilten auf und davon. Ganz anders verlief dagegen die erste Halbzeit.
Die HSG hielt mit dank einer guten Abwehr mit einem noch besseren Torwart Jorge Schmidt (10 Paraden in Hälfte eins) dahinter sowie einem Angriff, der immer wieder gute Lösungen kreierte. Leider hatten auch die Braunschweiger einen Keeper in Bestform dabei (13 Paraden), an dem die Eider-Handballer reihenweise scheiterten. Hinrichsen haderte: „Eigentlich müssen wir mit einer Vier-Tore-Führung in die Pause gehen.“ Stattdessen wechselten die Teams bei einem Gleichstand von 14:14 die Seiten. Was danach passierte, ist erzählt.
Ein Mann muss besonders gewürdigt werden. Max Dau bot erneut eine bockstarke Partie, hinten wie vorne.
„Seine Entwicklung ist herausragend“, so Hinrichsen.
Abschließend findet der Trainer noch ein großes Lob für die eigenen Fans: „Ich bin unglaublich begeistert von unserem Publikum. Die Zuschauer haben unsere Situation in der 3. Liga begriffen und akzeptiert. Sie haben uns toll unterstützt. An dieser Stelle müssen wir ansetzen und noch mehr an uns glauben. Wir dürfen nicht den Fehler machen, zu früh die Köpfe hängen zu lassen.“
Schmidt, Haack; T. Heckel, Kock (3), Schneider (1), Ohm-Abelmann (4/1), Frahm, Bies (4), Hamann (1), Rohwer (1), M. Dau (7), P. Dau, Bielfeldt (3), Jonas, Schatz (1)